Leben fährt weiter
- ein Zugstück von Tobias Schwartz
Premiere und Uraufführung am 15. September 2007 im “orphtheater”, Berlin
Foto: Caroline B�ttcher
Foto: Caroline B�ttcher
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Regie: Alexis Kremin Dramaturgie: Georg Mellert Bühne: Alexis Kremin Darsteller (i.o.a.): als Cate Katja Herrmann als Sam David Hannak als Schaffner Bert André Ebert Regieassistenz: Sophie Decker PR-Manager: Tobias Schwartz Kostüm: Kerstin Fischer Technik/Licht/Ton: Stefan Wolf Pressearbeit: Antje Görner Fotos: Caroline Böttcher Aus der Berliner Morgenpost vom 17. September 2007 Apokalyptische Moralpredigten im Zugabteil
Es fährt ein Zug nach nirgendwo. Christian Anders ist zum Glück nicht mit an Bord, dafür aber Dichter und Denker. Jean Paul, Schiller, Stifter, Hebbel und Co. pflastern mit Werkausgaben den Boden des Zugabteils. Und Ludwig Wittgenstein schwängert mit seiner Sprachkritik die ohnehin schon dicke Luft. Im Zug: Zwei einzige Passagiere, ein Mann und eine Frau, kann sein, dass sie sich schon kennen, vielleicht auch nicht. Sie machen von Anfang an keinen Hehl daraus, dass sie eh nur Rollen spielen.Tobias Schwartz jongliert in seinem Stück “Leben fährt weiter”, das jetzt im Orphtheater als Uraufführung zu sehen ist, großzügig mit dem Ungefähren. Er hat ein eigenwilliges Stationendrama geschrieben, halb philosophische Etüde, halb groteske Farce. Regisseur Alexis Kremin schafft es, zusammen mit seinem hervorragenden Darstellertrio (André Ebert, David Hannak, Katja Herrmann), den sperrigen Text in eine schlüssige Form zu gießen. Erstens mit klugem Witz, der nur gelegentlich ein wenig ins Demonstrative kippt. Und zweitens mit einem ebenso simplen wie effektiven Bühnenaufbau, bei dem das Zugabteil als schmales Podest sich diagonal durch den Raum zieht. Wir, das Publikum gehören eindeutig zu den anderen, zu denen, die nicht da drinnen sind.So nimmt das Ganze Fahrt auf, auch wenn die Figuren dieses Stücks kein bisschen von der Stelle kommen. Das Ziel ist unbekannt, ankommen will man trotzdem irgendwo, beim Sinn des Seins zum Beispiel, Hauptbahnhof Erkenntnis. Doch bevor es dazu kommt, läuft die Sache philosophisch aus dem Ruder. Ein wahnwitziger Schaffner hält apokalyptische Moralpredigten, nachdem er der Meute da draußen, jenseits des Abteils, zum Fraß vorgeworfen wurde. Und auf die Sprache als Hilfsmittel gegen das Chaos kann man sich seit dem unglückseligen Turmbau zu Babel sowieso nicht mehr verlassen. Am Ende hilft nur eins: Notbremse, Ausstieg auf freier Strecke. Jenseits der Bühne rücken sich die Schauspieler Stühle im Publikum zurecht. War ja alles nur Theater. Orphtheater
Ackerstraße 169/170, Mitte. Tel.: 441 00 09. Termine: 21. bis 24. September 2007, 20 Uhr. Katrin Pauly


